Informationen zum Arbeitskreis „Stolpersteine“

Nach dem Vorbild anderer Gemeinden und Städte in unserer Nähe haben sich im Jahr 2008 in Sprendlingen einige Bürgerinnen und Bürger zusammengetan, die selbst die Schrecken der Nazizeit nicht  miterlebt haben, aber aus unterschiedlichen Gründen, teils ihrer Familiengeschichte geschuldet, daran interessiert waren, das Schicksal der ehemaligen jüdischen Bevölkerung des Ortes zu erkunden.
Einerseits konnte durch Gespräche mit noch lebenden Zeitzeugen der Schleier des Vergessens gelüftet werden, andererseits standen Materialien zur Verfügung, die während des Projekts „Spurensuche“ zusammengestellt worden waren.


Von 1998 bis 2001 hatten Schülerinnen und Schüler der damaligen Regionalen Schule mit dem Ju-
gendpfleger der Verbandsgemeinde Hansi Schüler Informationen über die Judenverfolgung während des 3. Reiches gesammelt und einen Film gedreht, in dem z. B. eine Zeitzeugin, die mittlerweile verstorben ist, über ihre Diskriminierung als „Halbjüdin“ berichtete.

Dem kleinen Kreis der „Stolperstein- Interessierten“ gelang es, unterstützt vom Gemeinderat und dem Ortsbürgermeister, einen ersten Verlegetermin mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig im Frühjahr 2009 zu verabreden. Unter beachtlicher öffentlicher Anteilnahme wurde am 28.3.2009 mit je einem Stolperstein an die drei ermordeten Mitglieder der Familie Landsberg in der St. Johanner Straße 2 erinnert, an das Ehepaar Rector mit Sohn Walter in der Gau-Bickelheimerstrasse 11  und an Oskar Schloss, der in der Schulstr. 9 gewohnt hatte. 

 

Dank weiterer Recherchearbeit einzelner Mitglieder konnte der Arbeitskreis im Jahr 2012 Herrn Demnig zu einem weiteren  Verlegetermin einladen, bei dem am 04.07.2012 für Karoline Neuberger in der St. Johanner Strasse16 ein Stolperstein gesetzt wurde sowie jeweils einer für Mutter und Tochter Clara und Margot Koppel in der Gau-Bickelheimer Strasse 5 und für das Ehepaar Stern mit Sohn Ferdinand in der Gau- Bickelheimer Strasse  59.     


Da sich 2012 die Deportation des grössten Teils der jüdischen Bevölkerung durch die Nazis zum 70. mal jährte, plante der Stolpersteinkreis eine Gedenkveranstaltung, zu der auch eine aktualisierte Liste der aus Sprendlingen Deportierten erstellt wurde. Der Name jedes einzelnen Opfers wurde am Holocaustgedenktag, dem 27.01.2013 in der ehemaligen Synagoge unter grosser öffentlicher Anteilnahme verlesen. Mitgestaltet wurde der Abend von der Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Frau Monika Reubold, vom Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Herrn Rüdiger Eckert und dem 1. Beigeordneten der bürgerlichen Gemeinde Herrn Manfred Bucher.
Ausserdem legte der beim Projekt „Spurensuche“ entstandene Film, den viele Anwesende zum ersten Mal sahen, auf bestürzende Weise noch einmal Zeugnis ab von den Greueltaten der Nazis in Sprendlingen.  
Der Arbeitskreis wird sich weiterhin darum bemühen, das Andenken der jüdischen Bevölkerung von Sprendlingen in Ehren zu halten.
 

Quelle: Giselotte Boos-Goeckel

eingestellt: 01.02.2013 Hh.